Dr. R. Marika-Lehrstuhl für Australian Studies

Dr. R. Marika (1958 – 2008) war nicht nur eine von Australiens angesehensten Vertreterinnen der interkulturellen Pädagogik, sondern eine ebenso bedeutende Philosophin, Wissenschaftlerin und Übersetzerin. Als Fürsprecherin der Kultur der Ureinwohner Australiens nahm sie darüber hinaus eine leitende Rolle in der Aborigine-Gesellschaft ein. In ihrer Funktion als Direktorin der nichtstaatlichen Stiftung Reconciliation Australia und als Teilnehmerin des 2020 Summit – eines Kongresses mit dem Ziel, eine Strategie für eine Modernisierung des Staates Australien zu entwickeln, das den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen ist – setzte sich Marika stets für die Verständigung und Aussöhnung der Aborigine-Gesellschaft mit der westlichen Gesellschaft ein.

Marika war die älteste Tochter eines bekannten Anführers der Kampagne zur Anerkennung der Landrechte der Aborigines in den Sechziger Jahren. Sie arbeitete als Dozentin, Übersetzerin, Sprachwissenschaftlerin und wurde zu einer Verfechterin der Kultur und Rechte der indigenen Völker Australiens. Viele ihrer Schriften wurden landesweit veröffentlicht, ebenso hielt sie in ganz Australien Vorträge. Ihre berufliche Karriere widmete sie in erster Linie der Bildung mit dem Hauptziel, eine Brücke des Verständnisses zwischen den Ureinwohnern Australiens und der überwiegend englischsprachigen Gesellschaft Australiens zu errichten. Marika war als Expertin auf dem Gebiet der Bräuche und Sprachen indigener Völker des Northern Territory in Australien angesehen. Ihre Arbeit als Sprachwissenschaftlerin diente vor allem dem Zweck der Bewahrung dieser Sprachen vor dem Aussterben. Für ihre Errungenschaften als Sprachwissenschaftlerin und Übersetzerin sowie als eine der führenden Theoretikerinnen des beiderseitigen Lernens wurden sie mit den höchsten akademischen Auszeichnungen Australiens geehrt: einem Ehrendoktortitel der Charles Darwin University, einem posthum verliehenen Ehrendoktortitel der Australian National University sowie einer ebenfalls posthum verliehenen Auszeichnung des Order of Australia.

Gleichwohl ihr Leben von schweren Schicksalsschlägen gezeichnet war, behielt sie stets ihren Kampfgeist und ihre Entschlossenheit bei, Aussenstehenden ihre Kultur nahe zu bringen. Marika starb überraschend an einem Herzanfall im Mai 2008 im Alter von nur 49 Jahren.

Im Rahmen einer Versammlung zu Ehren Dr. Marikas im Australischen Forschungsinstitut für Aborigines und Torres-Strait-Insulaner (AIATSIS) im Mai 2009 wurde ein Stipendium ins Leben gerufen, welches ihren Namen trägt. Es soll künftig Wissenschaftlern aus der indigenen Bevölkerung Australiens ermöglichen, an internationalen Konferenzen teilzunehmen und somit an Marikas Schaffen erinnern. Jenny Macklin, Australiens Ministerin für indigene Angelegenheiten, bezeichnete Marika als "Verkörperung der Aussöhnung" der indigenen mit der westlichen Gesellschaft Australiens. Auf Wunsch ihrer Familie hin wird im Rahmen posthumer Ehrungen aus kulturellen Gründen auf die Nennung von Dr. Marikas Vornamen verzichtet.